Zeitdruck am Herrenwingert

Artikel in der Bonner Rundschau vom 22.03.2018

 

Gemeinde startet Entwicklungskonzept fürs Alfterer Zentrum

 

VON FRANK ENGEL-STREBEL

 

ALFTER. Am Ende könnte es ein Wettlauf gegen die Zeit werden. Voraussichtlich fünf Jahre wird es dauern, bis das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) für den Ortskern Alfter umgesetzt ist, ein langer Zeitraum, vor allem für die örtlichen Gewerbetreibenden, denn schon jetzt gestaltet sich die Situation für viele Geschäftsleute kritisch und es gibt Leerstände rund um den Herrenwingert zu beklagen. Zudem ist bereits wertvolle Zeit verstrichen, seit 2013 Grünen-Politikerin Sonia Theimann und der Ortsausschuss den Anstoß gaben, Alfters gute Stube zukunftsfähig zu machen.

 

Am Dienstagabend gab Bürgermeister Rolf Schumacher mit einer Bürgerversammlung im katholischen Pfarrzentrum den Startschuss für das ISEK. Über Verlauf und Planungen informierte Helmut 0. H. Hardt, Ingenieur und Geschäftsführer des von der Gemeinde beauftragten Planungsbüros StadtUmBau aus Kevelaer. Zuvor präsentierten die Professoren Benedikt Stahl und Florian Kluge vom Fachbereich Architektur der Alanus Hochschule den rund hundert Teilnehmern die Ergebnisse einer Bürgerwerkstatt. Architekturstudenten hatten zunächst mit der Kunstaktion „Himmel und Ähd" für Aufsehen gesorgt, bei der sie den Herrenwingert einen Sonntag lang mit Silberfolie auslegten und der Platz für den Pkw-Verkehr gesperrt war. Daraufhin hatten die Alfterer bei mehreren Terminen Gelegenheit, ihre Ideen und Wünsche für die Neugestaltung des Ortskerns einzubringen. Visionen waren gefragt, etwa beim Modell „PlatzPark statt Parkplatz“: Die Autos verschwinden, ein turmartiger Bau mit Wohnungen sorgt für Freiräume. Grundsätzlich, da waren sich alle Beteiligten einig, handelt es sich bei dem Herrenwingert um einen Platz mit einer „Nutzungskonkurrenz". Auf der einen Seiten wolle man mehr Aufenthaltsqualität im Stile einer italienischen Piazza, so Stahl und Kluge, auf der anderen Seite ausreichend Parkplätze, um die Ärzte und Geschäfte zu erreichen.

 

Wie sehr die Zeit drängt, machten Kirsten Mohr, Betreiben des Edeka-Marktes, und Gabi Haag, Vorsitzende des Gewerbevereins und Inhaberin eines Fotogeschäfts in den Arkaden am Rande des Herrenwingerts, deutlich. Laut Haag habe es Interessenten gegeben, die zwei leerstehende Geschäftsräume mieten wollten. Sie hätten jedoch von den Banken keine Kredite erhalten, weil diese den Standort Alfter als nicht kreditfördungswürdig bewertet hätten. Mohr bekennt sich zwar weiterhin zum Standort Alfter und hat im vergangenen Jahr den Mietvertrag für ihren Supermarkt um weitere fünf Jahre verlängert, mit 750 Quadratmetern Verkaufsfläche sei dieser jedoch deutlich zu klein, die durchschnittliche Fläche eines Edeka-Marktes betrage heute mindestens 1200 Quadratmeter. Zudem sei bereits das erste Jahr der Vertragsverlängerung abgelaufen, so dass ihr nur noch vier blieben.

 

Für Bürgermeister Rolf Schumacher steht fest: „Wir brauchen hier einen zukunftsfähigen Ankerbetrieb wie den Edeka, wenn Sie sich anschauen was um uns herum in Tannenbusch, Dransdorf und Roisdorf alles passiert.“

 

Eine Möglichkeit wäre der Abriss der in den 70er Jahren gebauten Schulturnhalle, die energetisch nicht mehr finanzierbar ist. Eine Mehrzweckhalle könnte gebaut werden, unten könnten der Edeka und weitere Geschäfte einziehen, die obere Etage stünde dann für Vereine, den Schulsport und Veranstaltungen zur Verfügung. Im Gebäude des jetzigen Edeka-Marktes könnte möglicherweise ein Drogeriemarkt unterkommen.

 

KONZEPT

 

Integrierte Handlungskonzepte und Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzepte (ISEK) sind seit 2008 verpflichtende Grundlage, um an entsprechende Fördergelder des Landes NRW zu kommen. Dabei schauen die Fördergeber nicht nur darauf, welche Pläne und Ziele eine Kommune verfolgt, sondern auch, ob sie in der Lage ist, über einen Zeitraum von fünf Jahren ihren finanziellen Eigenanteil zu leisten.

 

Das Konzept für den Alfterer Förderantrag soll voraussichtlich im November stehen. Planungen, bauliche Umsetzungen und die Realisierung von Projekten sollen dann zwischen 2019 bis 2024 angegangen werden. Die Förderanträge müssen gut begründet sein, da rund 30 Prozent der Anträge abgelehnt werden. Über die einzelnen Projekte und Bauvorhaben entscheiden jeweils die politischen Gremien mit Beteiligung der Bürgerschaft. (fes)